
Eine Herausforderung ganz anderer Art war die Aufgabe, den Potsdamer Platz wieder in das städtische Bewusstsein zu integrieren. Ein Stadtviertel war im Bau - wo sich über 40 Jahre Brache und die Berliner Mauer befunden hatten. Isolierte Stadtzentren hatten sich entwickelt, im städtischen Leben war der Potsdamer Platz nicht mehr existent. Daimler versuchte so früh wie möglich, den Potsdamer Platz wieder greifbar zu machen. Es galt, Verständnis für die jahrelang existierende Großbaustelle mitten in der Stadt zu wecken, dem Informationsbedarf der Berliner nachzukommen und den Potsdamer Platz als neue städtische Mitte zu integrieren.

Die Baustelle selbst wurde zum Mittelpunkt der Öffentlichkeitsarbeit: Bauen wurde ein sinnlich erfahrbares Erlebnis für die Berliner, für die Besucher der Stadt und nicht zuletzt für die Medien. Führungen über die Baustelle, Modeaufnahmen auf dem Bagger, Tage der offenen Tür mit über 30.000 Besuchern, monatliche Pressekonferenzen, zahllose Journalisten, Filmteams und Fotografen gehörten zum Alltag auf der Potsdamer Platz-Baustelle.
Während des alljährlichen "Baustellensommers" wurde die Baustelle als Kulisse verschiedener kultureller Veranstaltungen genutzt: Zum Beispiel gastierte die israelische "Batsheva Dance Company" und die Bach-Akademie unter der Leitung von Helmuth Rilling in den Rohbauten. Gerhard Merz installierte die leuchtenden Kräne, Jean-Pierre Raynaud den "Goldenen Topf" und Daniel Barenboim dirigierte beim Richtfest das Kranballett.

Wie attraktiv die Bauzeit war, davon zeugen die Besucher-Zahlen der Info-Box: Das Informationszentrum der Investoren zählte in fünf Jahren zwischen Ende 1995 und 2000 zehn Millionen Besucher und belegte nach dem Brandenburger Tor Platz zwei als beliebteste Berliner Sehenswürdigkeit. Später wurde dieses Konzept von der Gesellschaft "Partner für Berlin" übernommen und zur "Schaustelle Berlin" ausgeweitet. Der Begriff "Baustellen-Tourismus" entstand - die Baustellen als neue Berliner Sehenswürdigkeit.