Tiefbau

Bevor die Aushubarbeiten für die bis zu vier Untergeschosse tiefen Baugruben auf dem Potsdamer Platz-Areal beginnen konnten, mussten umfangreiche Vorarbeiten durchgeführt werden.

Eine vollständige "Enttrümmerung", das heißt die restlose Beseitigung aller nach dem Krieg im Boden verbliebenen Ruinen und Munitionsstoffe, hatte es am Potsdamer Platz nicht gegeben und musste nun nachgeholt werden. Auf diesem Wege traten zahlreiche Fundstücke zu Tage, darunter Porzellantassen des "Café Josty", dem berühmten Literaten-Café am alten Potsdamer Platz. Vor allem aber waren es Munition und Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg, die von Hand aus dem so genannten "Kulturschutt" herausgelesen und unschädlich gemacht werden mussten.

Haus Huth mit sichernder Bohrpfahlwand

Die Gründungssituation am Potsdamer Platz ist schwierig. Der Boden besteht tiefreichend aus Sand, Mergel und Findlingen. In etwa drei Metern Tiefe steht Grundwasser an. Zwar lässt sich Sand - im Vergleich zu felsigen Untergründen - einfach ausheben, jedoch bringt das darin enthaltene Grundwasser den gesamten Boden schnell in Fluss. Sand und Wasser mussten also während des gesamten Bauprozesses zurückgehalten werden, der so genannte "Verbau" musste hergestellt werden.

Für Monate entstanden Seen mitten in Berlin. Das Bild des Potsdamer Platzes wurde von Booten und Schwimmpontons bestimmt. Wie in der Schifffahrt mussten Schwimmwesten getragen werden, an den Baugrubenrändern hingen Rettungsringe. Unter Wasser wurde mit Tauchern gearbeitet. Eine Sensation mitten in Berlin. Die Taucher arbeiteten in bis zu 23 m Tiefe. Sie bereiteten den Grund des Bausees für das Betonieren vor. In dem kalten Winter 1995/96 waren 80 Bautaucher rund um die Uhr im Einsatz. Bei durchschnittlich -15°C Außentemperatur musste die Oberfläche ständig eisfrei gehalten werden. In der Tiefe betrug die Temperatur konstant +2°C. "Taucher am Potsdamer Platz" wurde eines der beliebtesten Themen der Berichterstattung über die neue Hauptstadt - die Baustelle wurde zum Postkartenmotiv.

Baugrube im Baufeld B

Die große Baugrube im Baufeld B, wo heute die Potsdamer Platz Arkaden sind, war mit 22.000 qm Grundfläche die mit Abstand größte Baugrube, die jemals in dieser "Wand-Sohle"-Bauweise erstellt wurde. Auf der untersten Tiefgaragen-Ebene stehen heute die Fahrzeuge 15 m unter der Wasseroberfläche.

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