Historie
Leipziger Tor 1830

Seit Eröffnung des Potsdamer Bahnhofs 1838 entwickelte sich der damals noch "Platz vor dem Potsdamer Thor" genannte Potsdamer Platz innerhalb weniger Jahrzehnte vom ruhigen und ländlich anmutenden Vorstadtbereich zu einem der belebtesten Plätze Europas. Er wurde weitaus bekannter als der danebenliegende Leipziger Platz, der 1732 bis 1738 in Form eines Oktogons errichtet worden war. Einen wahren Bau-Boom erlebte der Potsdamer Platz nach der Reichsgründung 1871. Berlin befand sich im wirtschaftlichen Aufschwung, seine wohlhabenden Bürger zogen vor die Tore der Stadt, die berühmten Tiergarten-Villen wurden gebaut. Das "Grand-Hotel Bellevue" und das "Palast-Hotel" eröffneten noch vor der Jahrhundertwende am Potsdamer Platz. Der "Fürstenhof" folgte 1907, ein Jahr später das "Esplanade".

Der Platz war in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts mit S- und U-Bahn, 26 Straßenbahn- und 5 Buslinien der verkehrsreichste Platz in Europa. Täglich überquerten 20.000 Autos den Platz und es wurden 83.000 Reisende am Potsdamer Bahnhof gezählt. Der 1924 auf dem Potsdamer Platz errichtete fünfeckige Verkehrsturm, die erste Ampel in Europa, wurde zu einem Wahrzeichen der fortschrittlichen Metropole Berlin. Das architektonische Bild des Potsdamer Platzes war ständig in Bewegung. Altes wurde abgerissen, um Raum für veränderte Bedürfnisse zu schaffen. An die Stelle des Klassizismus trat die Neue Sachlichkeit. Die Torhäuser, von Karl Friedrich Schinkel 1824 entworfen, standen in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem modernen, 1931/32 von Erich Mendelsohn errichteten, Columbushaus.

Haus Vaterland 1919

Neben den großen Hotels und dem gesellschaftlichen Leben auf Bällen und Empfängen entwickelte sich der Potsdamer Platz zu einem Zentrum des bürgerlichen Amüsements. Legendär geworden sind das "Haus Vaterland" mit Tanz-Café und Restaurants, der "Ufa-Filmpalast", der "Europa-Tanz-Pavillon", das "Meisel-Pschorr"-Bräuhaus, "Café Josty" und "Weinhaus Huth". In den "Rheinterrassen", einem der Restaurants im "Vaterland", ließ man mehrmals am Abend Gewitter mit elektrischen Lichtblitzen und Regen aus Wasserleitungen stattfinden. All diese Etablissements prägen bis heute die Vorstellung von den "Goldenen Zwanzigern".

Im 2. Weltkrieg wurde der Potsdamer Platz fast vollständig zerstört. Einzig das alte Weinhaus Huth und die Ruine des Hotels Esplanade überdauerten auch die Nachkriegszeit. Der 17. Juni 1953 und der Mauerbau 1961 rückten den Platz kurzzeitig noch einmal in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die Grenze zwischen den Sektoren Berlins wurde zur Grenze zwischen den Systemen, sie verlief direkt über den Potsdamer Platz. Alle Verbindungen wurden gekappt. Es folgten Jahrzehnte des Vergessenseins und Brachliegens.

Luftbild 1963

Erst mit dem 9. November 1989 wurde der Potsdamer Platz wieder in das Zentrum der Stadt gerückt.

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